Mehr als ein halbes Jahrhundert Remagener Schachgeschichte repräsentiert der Schachclub 1950 Remagen e.V. heute. Und darum ist die Chronik des Vereins untrennbar mit der Nachkriegsgeschichte verbunden. In dem Maße, wie sich das Leben anfing zu normalisieren und somit das Ärgste der Nachkriegszeit überstanden war, fassten die Menschen langsam wieder Hoffnung und besannen sich Dingen zuzuwenden, die ihnen Spaß machten. So auch Schach.

Wir schreiben das Jahr 1948, ein besonders schicksalhaftes Jahr! Mahatma Gandhi wird ermordet, Israel proklamiert seine Unabhängigkeit, Beginn der ersten Berlin-Blockaden und Aufnahme der Luftbrücke, die DM wird per Währungsreform offizielles Zahlungsmittel in den westlichen Besatzungszonen, der 1. FC Nürnberg wird erster deutscher Fußballmeister der Nachkriegszeit, Konrad Adenauer wird Präsident des parlamentarischen Rates, in den USA veröffentlicht Kinsey seine Studie über das Sexualverhalten der weißen männlichen Bevölkerung und in Remagen treffen sich einige Remagener der Gaststätte "Rheingold" zum Schachspielen. Damals stand wohl noch nicht unbedingt der absolute Wille zum Sieg im Vordergrund, vielmehr wollte man den noch immer harten Alltagsnöten auf intelligenter Weise entfliehen. 1950 wurde dann die lose Spielgemeinschaft als Schachclub eingetragen.
 
Führte der neue Verein anfangs nur Freundschaftsspiele gegen Mannschaften aus dem Umkreis durch, wurde 1952 erstmalig am offiziellen Spielbetrieb teilgenommen. Gestartet in der Kreisliga B, wo sich rasch erste Erfolge einstellten, schaffte man 1954 den Aufstieg in die Kreisliga A, um dann zwei Jahre später als Kreismeister in die Bezirksliga aufzusteigen. Das war der Startschuss zu einem ungebremsten Durchmarsch bis in die Oberliga, der damals höchsten Spielklasse!
Trotz dieser Erfolge zogen im Jahre 1956 dunkle Wolken über Remagens Schachhimmel auf, als dem zurückgetretenen 1. Vorsitzenden Raimund Wierbitzky, Paul Hähnel folgte, unter dessen Leitung sich der Verein spaltete und sich mit "Königsspringer-Remagen" ein zweiter Schachverein.

In einer sehr stürmischen Versammlung wurde Georg Ruhmann zum neuen Vorsitzenden des SC Remagen gewählt, der das Amt mit den unvergessenen Worten annahm: "Ich bleibe nur so lange 1. Vorsitzender, bis ich beide Vereine wieder zusammengeführt habe!" Das ist ihm zwar schon 1958 gelungen. Aber sein Wort, nur bis Zusammenführung 1. Vorsitzender zu bleiben, hielt er - Gott sei Dank - nicht und blieb noch bis 1970 im Amt, als ihn der heutige 1. Vorsitzende Dr. Heinrich Dräger ablöste. Georg Ruhmann wurde gleichzeitig zum ersten und bisher einzigen Ehrenvorsitzenden ernannt!

Die Mannschaften bestanden noch aus lupenreinen Hobbyspielern. Dieses änderte sich jedoch, als in den 60er-Jahren Hermann Michel, seines Zeichens Deutscher Schachmeister, zum Schachclub Remagen stieß. Er übertrug seinen Idealismus auf die noch jungen Spieler und formte ein sehr schlagfertiges Team. Und die allgemeine schachliche Entwicklung ging auch am SC Remagen nicht spurlos vorbei. In den Jahren 1969/70 und 1970/71 wurde die Remagener Meister der Oberliga Süd und durften als Belohnung für die Erfolge an der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft teilnehmen.

Durch zahlreiche Fusionen in den 90er Jahren veränderte sich die schachliche Landschaft in Deutschland erheblich. Nicht so beim SC Remagen! Der setzte kontinuierlich seine Entwicklung fort und heute nehmen immerhin fünf Seniorenmannschaften von der Kreisliga bis hin zur 1. Bundesliga erfolgreich am Spielbetrieb teil. Vom ambitionierten Profi bis hin zum passionierten Hobbyspieler sind alle Spielstärken vertreten.

Doch die Chronik will nicht verschweigen, dass all diese Erfolge nur durch den unermüdlichen und ehrenamtlichen (!) Einsatz unzähliger Helfer möglich gewesen ist! Diese Chronik endet bewußt mit der Aussage des Gründers der weltberühmten Dortmunder Schachtage Eugen Schackmann:

"Es gibt immer wieder Menschen,  die mehr tun, als sie tun müssten!"