Der Vanellus vanellus, gemeinhin auch Kiebitz genannt, gilt als "Frühlingsbote im Vogelreich". Anfang März kehren die Kiebitze aus ihren Überwinterungsgebieten in Frankreich und Spanien nach Norddeutschland zurück. Schon bald beginnen sie mit der Balz, die aus taumelartigen Sturzflügen und den namensgebenden "Kiewitt" Rufen bestehen. Das Nest mit vier Eiern wird Ende März in einer Bodenmulde ausgelegt und von beiden Partnern bebrütet. Der Kiebitz drohte nun als letzter Wiesenbrüter aus den landwirtschaftlichen Marschen zu verschwinden.
Im Laufe seiner Evolution hat sich der Kiebitz jedoch der veränderten Lebenssituation erfolgreich angepasst und man findet ihn des öfteren in Schachkreisen. Dort hat sich eine völlig neue Spezies des Kiebitz etabliert. Er fällt meist mit der Gangart Halsung und dem Schachtalent eines Sumpfvogels auf, der die Schachpartie meist von oben herab verfolgt und - mindestens theoretisch - dem Turniersieger überlegen ist!
Die Herkunft des Wortes "Kiebitz" ist nicht vollständig geklärt, hat jedoch mit dem Vogel Kiebitz nichts zu tun. Im Rotwelschen, also unter dem "Fahrenden Volk", unter Gaunern und anderem lichtscheuen Gesindel bedeutet kiewischen oder kiebitschen die genaue Untersuchung einer gefundenen oder gestohlenen Beute um sie gerecht aufteilen zu können.
Heute ist der Kiebitz am Schachbrett nicht mehr wegzudenken oder gar zu vertreiben. Die Verschiedenheit der Ansichten über den Stand einer Schachpartie richtet sich grundsätzlich nach der Anzahl der Kiebitze. Als Faustregel gilt: Drei Kiebitze = fünf Ansichten. So weiß jeder kiebitzgeschädigte Schächer: Kiebitze, die reden, sind nicht zu ertragen, und Kiebitze die nicht reden, gibt es nicht!
Ein auf Anonymität bedachter und sichtlich genervter Schachkollege ließ sich kürzlich zu folgender Bemerkung hinreißen: "Kiebitzzungen, oh, gesteht, schweigen könnt ihr nicht!"
Der Geist aus der Flasche
Ein Schachspieler geht in einer Matchpause an einem kalifornischen Strand spazieren und stolpert über eine verschmutzte Flasche. Er hebt sie auf, reibt an ihr, und schon kommt ein Geist aus der Flasche! Der Geist sagt: „OK, OK, du hast mich aus der Flasche befreit, bla bla … Das ist bereits das vierte Mal in diesem Monat und mir geht die ewige Wünscherei auf den Senkel, also vergiss das mit den drei Wünschen. Du hast nur einen Wunsch frei!“
Der Schachspieler setzt sich hin, überlegt ein kurze Zeit und sagt: „Ich wollte immer schon nach Hawaii, aber ich habe Angst vor dem Fliegen und ich werde schnell seekrank. Könntest du mir eine Brücke nach Hawaii bauen, damit ich mit dem Auto dort hinfahren kann?
Der Geist lacht und sagte: „Das ist absolut unmöglich. Denke doch mal an den Aufwand! Wie können die Stützen bis auf den Grund des Pazifik gebaut werden? Denke an die Unmengen Stahl und Beton! - Nein, denke dir was anderes aus!“
Der Mann sagte: „OK“ und versuchte sich einen wirklich guten Wunsch auszudenken.
Schließlich seufzte er: „ Weiß du Geist, ich spiele über dreißig Jahren Schach und habe noch nie eine Schachpartie gewonnen weil ich besser als mein Gegner gespielt habe! Bisher waren meine Gegner entweder krank, hatten Pech, waren nicht ausgeschlafen, hatten Stress und/oder keinen guten Tag, dazu den eigenen Mattzug völlig übersehen oder wurden irgendwie in ihren Überlegungen gestört. Ich möchte einmal gewinnen, weil ich besser als mein Gegner war, nur ein einziges Mal in meinem Leben, lieber Geist, bitte, bitte … das ist mein bescheidener Wunsch.“
Der Geist schaut den Mann völlig entgeistert an und als er sich halbwegs wieder gefasst hatte erwiderte er: „Willst du die Brücke vier– oder sechsspurig?!